Ostseefeeling oder wieso gibt es so wenig Kinder in unserem Land?
Dieses Jahr fuhr ich auf die schöne Sonneninsel Rügen, um das Ostseeflair, die Fischbuden, Sonne und Meer zu genießen.
Superschönes Wetter lockte mich am zweiten Tag zum Strand.
Bewaffnet mit Handtuch und einem guten Buch suchte ich mir ein Plätzchen, schaute auf die sanft dahin plätschernden Wellen und genoss die Ruhe.
Das schöne Wetter sorgte auch dafür, dass andere Gäste ans Meer kamen.
Ein Mann und eine Frau, fixierten den Platz neben mir, maßen mit Blicken ca. 2 Meter ab und ließen sich nieder.
Zunächst wurde der obligatorische Windschutz aufgebaut, (egal ob Wind oder wie heute windstill, das Ding gehört zum guten Ton)…leider zu meiner Seite offen. Ok! Ich hatte vielleicht nicht mitbekommen, dass dies ein FKK-Strand ist, aber die Menschen ließen ihre Hüllen komplett fallen. Auf Rügen ist das eben noch so, da hat der Osten noch Tradition. Breitbeinig ließen sich die nackten Menschen nieder. Etwas pikiert drehte ich mich eben auf die andere Seite, denn ich eigentlich wollte ja mein Buch lesen und nicht in die Peep-Show gehen.
Ich schaue zum Strandzugang, schwitzend eilte eine Familie mit einem Kind auf dem Arm in meine Richtung. Von der Familie konnte man anhand der Menge des „Strandgepäcks“ nicht viel sehen.
2 Rucksäcke, Schwimmtiere, Bagger, Sandspielzeug, ein Sonnenzelt, ein Windschutz, Kühltruhe, Luftmatzratze und eine Extratasche mit Wäsche zum Wechseln fürs Kind. Und das Kind wurde natürlich auch noch getragen. Dieses Kind war ca. 3 Jahre alt…ich konnte in dem Alter schon laufen!!
Seufzend wurde erst mal ein Handtuch ausgebreitet, auf das das Kind gesetzt wurde, bevor der Mann sich aufmachte um und sagte :“Schatz ich gehe noch den Rest holen“ Mama nickt und griff erst mal zur Sonnenmilch fürs Kind, welches diese Prozedur nur schreiend über sich ergehen ließ.
Ich dachte, naja es wird wohl gleich friedlich im Sand spielen und Burgen bauen. Nachdem dieses Kind eine überdimensionierte Sonnenmütze über den Kopf gestülpt bekam, machte sich die Mutter hurtig daran das Zelt auf zu bauen und den Windschutz zu installieren.
Dieses hatte in der Zwischenzeit seine Sonnenmütze bis über beide Augen gezogen und schrie wie am Spieß. Gerne hätte ich geholfen, aber ich wollte ja mein Buch lesen. Nun kam der Vater zurück mit einem ganz wunderbaren Schlauchboot.
Zu Zweit ging es nun ans Werk, erst einmal das Kind zu beruhigen. Also auf zum Wasser!
Das Kind fand das ganz spaßig und wollte mit den Füßen hinein.
Verständnisvoll strichen die Eltern dem Kind über den Kopf und sagten es solle noch ein wenig Geduld haben, das Wasser sei zu kalt und lieber mit dem schönen Bagger spielen oder eins der vielen mitgebrachten Getränke zu sich nehmen.
Als das quengelnde Kind endlich Ruhe gab und zufrieden seinen Sonnenhut mit Sand füllte, hörte man ständig Fragen der Mutter: „Anna-Lena hast du Durst, Anna-Lena ist dir kalt, Anna Lena komm mal her zu Mami schmusen, Anna-Lena lass das und so weiter und so fort. Genau wie ich bekam das arme Kind keine Ruhe einfach mal nur zu spielen und den Strand zu geniessen.
Der Vater füllte derweil das Schlauchboot mit einem Eimerchen voll Wasser, damit das Kind nachdem die Sonne das Wasser erwärmt hat, baden kann.
Das Kind stand auf - ups - Anna-Lena kann laufen, legte sich ins Zelt und schlief. Die glücklichen Eltern beeilten sich nun schnell alles mit der Digikamera aufzunehmen, damit das Kind eine schöne Erinnerung an den Ostseeurlaub hat. Das ist also der berühmte Freizeitstress!
Früher war das alles viel einfacher, Badehose an und ab in die Fluten, mit blauen Lippen wieder raus und Butterkekse essen.
Resigniert nahm ich mein Buch und ging auf den Balkon meines Hotels,
um mein Buch zu lesen, dort hatte ich zwar keinen Meerblick, aber meine Ruhe.
Nächstes Mal gehe ich an den Hundestrand, dort werden nicht so viele Kinder sein, da heutzutage unsere überbesorgten Mütter und Väter viel zu viel Angst vor den Bakterien und den bösen Hunden haben.
Das (kinderlose) Schaf
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